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PM „Schützt alle in Deutschland lebenden (Deutsch-) Türken vor Verfolgung und Repression!“

Berlin 13. Dezember 2017

„Schützt alle in Deutschland lebenden
(Deutsch-) Türken vor Verfolgung und Repression!“

Durch Erdogans Hexenjagd stehen deutsche Bildungsangebote vor dem Aus. Berliner Stiftung Dialog und Bildung bittet deutsche Bundesregie-rung um mehr Unterstützung.

Berlin.Die in Berlin ansässige Stiftung Dialog und Bildung präsentierte heute mit Nachdruck einen Maßnahmenkatalog für die deutsche Bundesregierung.

Als Stiftung Dialog und Bildung bitten wir die Deutsche Bundesregierung endlich folgende Maßnahmen zu ergreifen:

– ein Verbot der diskriminierenden Verfolgung von Angehörigen der Hizmet-Bewegung in der Türkei und in Deutschland,

– den Schutz aller verfolgten Menschen in der Türkei, ob mit oder ohne Verbindung zur Hizmet-Bewegung,

– eine internationale, unabhängige Kommission, die die Ereignisse vor, während und nach dem 15.07.16 in der Türkei untersucht,

– eine öffentliche Zurückweisung der Kollektivschuldzuweisungen sei-tens der AKP-Regierung, der Oppositionsparteien und türkischer Medien,

– die Anwendung von Rechtsstaatlichkeit und der menschenrechtlich verbrieften Unschuldsvermutung (Artikel 14 Abs. 2 des internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte der Vereinten Nationen) in der Türkei zu gewährleisten,

– intensive diplomatische Aktivitäten Deutschlands gemeinsam mit al-len anderen EU-Staaten, um die menschenverachtenden Zustände in der Türkei sofort zu beenden und

– öffentliche Solidaritätserklärung sowie Schutz deutscher Hizmet-Aktivitäten vor Repressalien und Verfolgung.

Hintergrund:

Seit dem Putschversuch in der Türkei am 15./16. Juli 2016 ist ein Jahr vergan-gen. Noch immer sind Urheber und Hintergründe der Ereignisse ungeklärt. Es gibt Anschuldigungen, aber keine Beweise. Es gibt Verhaftungen, aber keine rechtsstaatlichen Verfahren. Dem Regierungsnarrativ vom „gescheiterten Putsch“ werden die Narrative vom „kontrollierten“ und „inszenierten Putsch“ entgegengehalten.

Was aber seitdem Realität ist: zahlreiche Grundrechte sind außer Kraft gesetzt, ob Presse- und Meinungsfreiheit, Versammlungsrechte, Wissenschaftsfreiheit und das Recht auf Eigentum. Mit Rechtlosigkeit, Sippenhaft und Unterdrückung zeigt die Türkei zunehmend Züge einer Diktatur.

„Erdogans Verfolgung und Diffamierung von Andersdenkenden, insbesondere der Hizmet-Engagierten, zeigt auch in Deutschland massiv Wirkung“, beschreibt Ercan Karakoyun, Vorsitzender der Stiftung Dialog und Bildung in Berlin, die Situation von circa fünfzigtausend Hizmet-Engagierten in Deutschland, deren Vereine und Bildungsangebote vielerorts vor dem Aus stehen.

Dabei leistet die Bewegung schon über Jahrzehnte erfolgreiche Arbeit für Bil-dung, Völkerverständigung, interreligiösen Dialog und Integration in Deutsch-land und ist politisch anerkannt und wissenschaftlich hochgelobt. Deswegen appelliert Ercan Karakoyun an die Bundesregierung: „In dieser schweren Zeit brauchen wir Solidarität und Hilfe!“

Der lange Arm Erdogans sei überall zu spüren: Viele AKP-nahe Vereine und Verbände, regierungstreue türkische Medien und Einzelpersonen setzen Erdo-gans Desinformationsstrategie auch hierzulande um, indem sie seinem offenen Aufruf zu Denunziation und Spionage folgen. Sie transportieren den Hass nach Deutschland: Geschäfte und Vereine werden boykottiert, Familien entzweit, immer wieder auch Morddrohungen ausgesprochen.

Deutsche Staatsangehörige, die sich in hizmet-nahen Bildungs- oder Kulturein-richtungen engagieren, können weder in die Türkei, noch in mit der Türkei kol-laborierende Staaten reisen – aus Angst vor Verhaftung und Folter. „Das dürfen Sie nicht länger dulden, Frau Merkel!“, ruft Ercan Karakoyun die Bundeskanzle-rin zum Handeln auf.

ErdogansPutsch

Stellungnahme: Ein Jahr Erdogans Putsch

15.07.2017 | Stellungnahme | Erdogans Putsch | Fethullah Gülen

Der 15. Juli wird als ein tragischer Tag in die türkische Geschichte eingehen. Es ist der Tag des verächtlichen Putschversuchs, an dem Hunderte unserer Mitbürger ihr Leben verloren und Tausende verletzt wurden. Ich nehme den Jahrestag als Anlass, um dieses grausame Unterfangen und die verursachenden Täter erneut zu verurteilen sowie den Angehörigen, die bei diesem schmerzlichen Geschehnis ihre Verwandten und Nahestehenden verloren haben, mein Beileid zu bekunden.

Leider mussten wir mit ansehen, wie die Leben von zehntausenden Unschuldigen nach den schändlichen Vorfällen zerstört wurden. Auf Anordnung der Regierung wurden Menschen rechtswidrig entlassen, in Gewahrsam genommen, verhaftet und sogar gefoltert. Nach wie vor wird jeder, der als illoyal gegenüber Recep Tayyip Erdogan und dem Regime scheint, von der Regierung mittels einer beispiellosen Hexenjagd seiner fundamentalen Menschrechte beraubt und verliert damit jegliche wirtschaftliche und soziale Lebensgrundlage.

Mit großer Betroffenheit musste ich im vergangenen Jahr erleben, wie die Regierung zehntausende Mitbürger in der einen oder anderen Weise mit mir sowie der Hizmet-Bewegung in Verbindung gebracht und die zugewiesene Verbindung als eine Straftat dargestellt hat. Die Beschuldigungen gegen mich bezüglich des Putschversuchs sind völlig haltlos und Ausdruck einer politisch motivierten Verleumdung. In punkto Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Grundfreiheiten wird die Türkei zunehmend zu einem der repressivsten Staaten der Erde, nicht zuletzt aufgrund des rechtswidrigen Umgangs der Regierung mit seinen unschuldigen Bürgern. Erneut rufe ich dazu auf, eine unabhängige und internationale Untersuchungskommission ins Leben zu rufen. Diese Kommission sollte die Geschehnisse rund um den 15. Juli aufarbeiten und die Schuldigen der Justiz übergeben. Falls die Kommission gegen mich urteilen sollte, bin ich nach wie vor bereit, in mein Land zurückzukehren.

Die türkische Regierung vertuscht, dass Staatschefs von den gegen mich gerichteten Beschuldigungen nicht überzeugt werden konnten. Stattdessen werden Mitbürger  durch von Medienpropaganda verbreiteten Verschwörungstheorien irregeleitet. Tragischerweise ist das türkische Volk von der Informationsfreiheit abgeschnitten und wird mit Hassbotschaften mobilisiert. Im 20. Jahrhundert haben totalitäre faschistische und kommunistische Regimes bestimmte Gruppen als Sündenböcke stigmatisiert und verfolgt. Bisher haben nur wenige bemerkt, dass Hizmet-Engagierte in sehr ähnlicher Weise zum Sündenbock gemacht werden.

Demokratie kann nicht mittels Gewalt erlangt oder beschützt werden. Selbst wenn politische Führer die Grundrechte ihrer Bürger verletzen und Tyrannei ausüben, dürfen sie nicht durch undemokratische Maßnahmen gestürzt werden. Obwohl die Anzahl der Opfer sowie die erlittene Unterdrückung eine in der türkischen Geschichte nie dagewesene Dimension erreicht hat, hat sich kein Hizmet-Engagierter der Gewalt bedient. Trotz allem bemühen sie sich, ihre Rechte weiterhin auf friedlichem Wege einzufordern. Falls manche vor dem Hintergrund dieser Tatsachen immer noch an der Rechtstreue dieser Menschen sowie deren Verbundenheit zu Frieden und Eintracht zweifeln, kann dies nur mit einer Verblendung durch Vorurteile begründet werden.

Meine Hoffnung ist, dass die türkischen Intellektuellen ihre Stimme erheben und sich mit allen Opfern der Unterdrückung solidarisieren. Die Justiz sollte, ungeachtet des politischen Drucks, keinesfalls von universellen Rechtsprinzipien abrücken. Möge Gott, der Allerbarmer und Allbarmherzige, uns schnellstmöglich aus dieser dunklen Zeit führen und Tage des Friedens und der Geborgenheit über dieses segensreiche Land bringen.

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Zwischen den Stühlen? Wie sich der Putschversuch auf die Deutsch-Türken auswirkt

Forum Dialog: Zwischen den Stühlen? Wie sich der Putschversuch in der Türkei auf die Deutsch-Türken auswirkt

Vor einem Jahr, am 15. Juli 2016, versuchten Teile des Militärs gegen die Regierung von Recep Tayyip Erdoğan zu putschen. Seit der gescheiterten Aktion, bei der mehr als 250 Menschen ums Leben kamen und mehr als 1000 Menschen verletzt wurden, ist die Gülen-Bewegung im Visier des türkischen Präsidenten. Obwohl stichhaltige Beweise für deren Täterschaft bis heute nicht vorgebracht wurden, werden Zehntausende als „Terroristen“ diffamiert und verhaftet sowie aus dem Staatsdienst entfernt. Im Zuge des Notstands wurde das Recht auf freie Meinungsäußerung massiv eingeschränkt und Demonstrationen verboten. Hinzu kommen zahlreiche Berichte über Misshandlungen in Polizeigewahrsam.

Besonders auf die in Deutschland lebenden Türkinnen und Türken sowie Bürgerinnen und Bürger mit türkischem Migrationshintergrund haben die politischen Entwicklungen großen Einfluss. Gesellschaftliche Spaltungen in der Türkei reißen hierzulande Familien und Gemeinden emotional auseinander und belasten nicht zuletzt auch das Verhältnis zur übrigen deutschen Gesellschaft, die mehrheitlich Erdoğans politischen Kurs verurteilt. Welche Herausforderungen sich nun ein Jahr nach dem Putsch ergeben, insbesondere für den türkischen Teil der deutschen Gesellschaft und wie mit diesen umgegangen werden kann, diskutieren der Hauptvortragende Süleyman Bag (Chefredakteur des Deutsch-Türkischen Journals Online) sowie die Koreferenten Ercan Karakoyun (Vorsitzender der Stiftung Dialog und Bildung) und Dr. Dirk Schuster (Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Jüdische Studien und Religionswissenschaft der Uni Potsdam) mit den Gästen.

Wir freuen uns auf einen regen Austausch mit Ihnen. Für die Teilnahme an dem Gesprächsabend ist eine Anmeldung notwendig. Anmeldungen werden bis zum 14. Juli 2017 gern per Mail an events-berlin@forumdialog.org entgegen genommen.

Forum Dialog Berlin, Heimat
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Datum: 17.07.2017
Ort: Forum Dialog Berlin
Mohrenstraße 34
10117 Berlin
Zeit: 18:30 Uhr
Thema: Podiumsdiskussion – Zwischen den Stühlen? Wie sich der Putschversuch in der Türkei auf die Deutsch-Türken auswirkt
Referenten: Ercan Karakoyun, Vorsitzender der Stiftung Dialog und Bildung
Süleyman Bag, Chefredakteur DTJ-Online
Dr. Dirk Schuster, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Jüdische Studien und Religionswissenschaft Uni Potsdam

Webseite der Veranstaltung
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Info-Broschüre ‚Erdogans Putsch‘ – Zahlen, Fakten, Meinungen

13.07.2017 | Info-Broschüre ‚Erdogans Putsch‘ | Ein Land im Ausnahmezustand

 

Die Stiftung Dialog und Bildung hat ein Jahr nach den Putschereignissen in der Türkei eine Broschüre mit Informationen zu den dringlichsten Fragen zusammengetragen. In dieser Publikation sind Zahlen, Fakten und Meinungen zur Türkei und auch Deutschland zu finden.

Diese Broschüre möchte vehement darauf hinweisen, dass die Zustände in der Türkei extrem besorgniserregend sind. „Es ist fünf vor zwölf“: Die Sprache Erdogans und der AKP Regierung wird immer drastischer. Die Verfolgung und Unterdrückung, die Sippenhaft und die Hasssprache erinnern an sehr dunkle Zeiten in der Geschichte.

Ein Jahr nach dem kontrollierten Putsch vom 15./16. Juli 2016 sind immer noch viele Fragen offen. Vor allem die Frage, wer für den Putsch verantwortlich ist, kann bisher nicht beantwortet werden. Erdogan konnte noch niemanden von seiner Perspektive überzeugen.

Vermutlich ist es ein kontrollierter Putsch, der einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg in „Erdogans Türkei“ darstellt. Historiker wie Michael Wolffsohn ziehen den Vergleich zur Machtergreifung der Nazis:

„Erdogan folgt dem klassischen Muster der Machtergreifung“ (ZDF, Maybrit Illner 21.07.2016)

Auf zwei wichtige Fragen werden noch immer überzeugende Antworten gesucht:

– Wer hat den Befehl für den erfolglosen Putsch erteilt?

– Hätte Erdogan den Putsch verhindern können?

Arhan Kardas zur Info-Broschüre

Forderungskatalog der Stiftung Dialog und Bildung an die deutsche Bundesregierung

Als Stiftung Dialog und Bildung fordern wir:

– ein Verbot der diskriminierenden Verfolgung von Angehörigen der Hizmet-Bewegung in der Türkei und in Deutschland,

– den Schutz aller verfolgten Menschen in der Türkei, ob mit oder ohne Verbindung zur Hizmet-Bewegung,

– eine internationale, unabhängige Kommission, die die Ereignisse vor, während und nach dem 15.07.16 in der Türkei untersucht,

– eine öffentliche Zurückweisung der Kollektivschuldzuweisungen seitens der AKP-Regierung, der Oppositionsparteien und türkischer Medien

– die Anwendung von Rechtsstaatlichkeit und der menschenrechtlich verbrieften ,Unschuldsvermutung’ (Artikel 14 Abs.2 des internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte der Vereinten Nationen) auch in Deutschland und

– intensive diplomatische Aktivitäten Deutschlands gemeinsam mit allen anderen EU-Staaten, um die menschenverachtenden Zustände in der Türkei sofort zu beenden.

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„Bedeutung zivilgesellschaftlichen Engagements für eine lebhafte Demokratie“

VGE e.V.: Wirksamkeit jenseits von Staat und Partei – Bedeutung zivilgesellschaftlichen Engagements für eine lebhafte Demokratie | Engagement

Wir leben in einer demokratischen Gesellschaft, die uns bestmögliche individuelle Freiheiten bei größtmöglicher Lebenssicherheit bietet, und zwar so wie keine andere Gesellschaftsform. Zugleich unterliegt auch sie – in einer zunehmend globalisierten und digitalisierten Welt – einem ständigen Wandel. Alle Akteure der demokratischen Gesellschaft sind aufgefordert sich weiterzuentwickeln, indem sie Antworten auf Zukunftsfragen offen und umfassend diskutieren.

Mediale und politische Diskurse bzw. öffentliche Debatten werden jedoch zunehmend von radikalen und populistischen Gruppierungen dominiert. Statt Toleranz und Offenheit fordern diese Abschottung und Ausgrenzung. Die Bindungskraft der etablierten Parteien nimmt stetig ab; mit der Folge, dass viele Bürger nicht mehr an die Wahlurne gehen. Sie sind davon überzeugt, dass sie ohnehin nichts bewirken können.

Sind es etwa Zeichen dafür, dass das demokratische System und der Politikbetrieb viele Menschen nicht mehr erreichen? Ist es damit getan mit dem Finger auf „das Establishment“ zu zeigen und sich aus der Verantwortung zu ziehen? Wie verändern die Wanderungsströme aus dem Nahen Osten, die neuen Medien und die Globalisierung unser Demokratieverständnis? Welche Implikationen ergeben sich daraus für die Herstellung einer lebendigen Demokratie und worin liegt das Potential der zivilgesellschaftlichen Teilhabe? Über diese und andere Fragen will der Verband für Gesellschaftliches Engagement (VGE) unter dem Titel

„Wirksamkeit jenseits von Staat und Partei — Bedeutung zivilgesellschaftlichen Engagements für eine lebhafte Demokratie“

mit Prof. Barbara John (Vorsitzende des Paritätischen Landesverbands Berlin), Süleyman Bag (Chefredakteur DTJ-Online) und Abu Hanif (Zivilgesellschaftlicher Akteur in der bengalischen Gemeinde Berlin) im Rahmen eines Podiumsgesprächs diskutieren.
Die Veranstaltung versteht sich zugleich als offizielle Eröffnung des VGE.

Eine Anmeldung beim Veranstalter ist bis zum 07.07.2017 möglich.

Verband für gesellschaftliches Engagement

Datum: 12.07.2017
Ort: VGE e.V.
Mohrenstraße 34
10117 Berlin
Zeit: 19:00 Uhr
Thema: Wirksamkeit jenseits von Staat und Partei – Bedeutung zivilgesellschaftlichen Engagements für eine lebhafte Demokratie
Referenten: Prof. Barbara John, Vorsitzende des Paritätischen Landesverbands Berlin
Süleyman Bag, Chefredakteur DTJ-Online
Abu Hanif, Bengalische Gemeinde Berlin

Webseite des Veranstalters
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Fethullah Gülen: Türkei, das Land das ich nicht wiedererkenne

16.05.2017 | The Washington Post | Demokratie | Fethullah Gülen

 

SAYLORSBURG, Pennsylvania (US) —Heute treffen sich im Weißen Haus der Präsident der USA, dem Land, welches ich seit 20 Jahren mein Zuhause nenne, und der Präsident meiner Heimat, der Türkei.

Für diese beiden Länder steht viel auf dem Spiel – darunter den Kampf gegen den IS, die Zukunft Syriens und die Flüchtlingskrise.

Jedoch ist die Türkei, die einst als hoffnungsvolles Land auf dem Weg zur Konsolidierung ihrer Demokratie und einer gemäßigten Form des Säkularismus galt, nicht mehr wieder zu erkennen. Sie leidet unter der Herrschaft eines Präsidenten, der alles dafür tut, um die ganze Macht an sich zu reißen und alle Oppositionelle zu unterwerfen.

Der Westen muss der Türkei helfen, auf einen demokratischen Weg zurückzukehren. Das heutige Treffen und der NATO-Gipfel in der nächsten Woche sollten deshalb dazu genutzt werden, diese Bestrebung voranzutreiben.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan begann nach dem abscheulichen Putschversuch am 15. Juli letzten Jahres eine systematische Hexenjagd nach unschuldigen Menschen. Das Leben von mehr als 300.000 Menschen, darunter Kurden, Aleviten, Säkularisten, Linke, Journalisten, Akademiker und Engagierte der friedlichen humanitären Hizmet-Bewegung, mit der ich verbunden bin, wurde durch Verhaftungen, Entlassungen und diverse Methoden ruiniert.

Während und auch nach dem Putschversuch habe ich diesen auf das Schärfste verurteilt und jeglichen Putschvorwurf entschieden zurückgewiesen. Außerdem betonte ich, dass jeder, der am Putsch beteiligt gewesen ist, Verrat an meinen Idealen geübt hat. Dennoch beschuldigte Erdoğan mich den Putsch aus 5.000 Meilen Entfernung orchestriert zu haben – ohne jeglichen Beweis.

Am Tag nach dem gescheiterten Putschversuch veröffentlichte die türkische Regierung eine Liste mit Namen von Tausenden Menschen, die mit der Hizmet-Bewegung in Verbindung gebracht wurden, da sie ein Konto bei einer bestimmten Bank hatten, Lehrer auf einer bestimmten Schule waren oder journalistische Tätigkeiten für eine bestimmte Mediengruppe ausübten. Als ob diese Umstände Straftaten wären, wurden diese Menschen wie Schwerverbrecher behandelt und ihr Leben ruiniert. Auf diesen Listen waren sogar Namen von Menschen aufgeführt, die bereits verstorben waren, oder auf dem NATO-Stützpunkt in Europa stationierte Soldaten waren. Viele internationale Beobachter haben von mehreren Entführungen, Folter und Todesfällen in Polizeigewahrsam berichtet. Die Regierung Erdoğans verfolgt und spioniert sogar unschuldige Menschen außerhalb der Türkei aus. So hat die türkische Regierung Druck auf die Regierung in Malaysia ausgeübt, damit diese drei Hizmet-Engagierte, darunter ein Schulleiter, der seit 15 Jahren in Malaysia lebt, festnehmen lässt und an die Türkei ausliefert – unter Gewissheit, dass diesen Gefängnis und auch Folter drohen.

Im April hat der türkische Präsident Erdoğan das Referendum – unter schwerwiegenden Betrugsvorwürfen – knapp für sich entschieden und somit ein Präsidialsystem errichtet, in welchem er alle drei Staatsgewalten kontrollieren kann. Bereits vorher hatte er durch „Säuberungen“ aus dem Staatsdienst und Korruption diese Gewalten größtenteils unter seine Kontrolle gebracht. In dieser neuen Phase des Autoritarismus bange ich um die türkische Bevölkerung.

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Hier zum Artikel auf Washingtonpost.com

Dabei begann alles ganz anders. Die AKP kam 2002 mit dem Versprechen demokratischer Reformen – das Ziel war die EU-Mitgliedschaft – an die Macht. Aber im Laufe der Zeit wurde Erdogan zunehmend intolerant gegenüber oppositionellen Stimmen. Mithilfe von staatlichen Regulierungsbehörden hat er dafür gesorgt, dass seine Anhängerschaft immer mehr Medienunternehmen übernommen haben. 2013 hat er die Gezi Park-Demonstrationen gewaltsam niedergeschlagen. Als im Dezember desselben Jahres bekannt wurde, dass Mitglieder seines Kabinetts in einen Korruptionsskandal verwickelt waren, reagierte er darauf mit der Unterjochung der Justiz und Presse. Der nach dem 15. Juli ausgerufene Ausnahmezustand dauert immer noch an. Laut Amnesty International sitzen ein Drittel aller inhaftierten Journalisten auf der Welt in türkischen Gefängnissen.

Erdogans Verfolgung und Unterdrückung der eigenen Bevölkerung ist keine innenpolitische Angelegenheit mehr. Die anhaltende Unterdrückung der Zivilgesellschaft, von Journalisten, Akademikern und Kurden in der Türkei bedroht die langfristige Stabilität des Landes. Die Gesellschaft ist bereits durch das AKP-Regime tief gespalten und polarisiert worden. Eine Türkei die sich in ein diktatorisches Regime verwandelt, radikalen Gruppen Schutz bietet und somit die kurdische Bevölkerung zum verzweifeln bringt, wäre für die Sicherheit im Nahen Osten ein Alptraum.

Die türkische Bevölkerung braucht die Unterstützung ihrer europäischen Verbündeten und der Vereinigten Staaten, um ihre Demokratie wiederherzustellen. Die Türkei hat im Jahr 1950 das Mehrparteiensystem eingeführt, um der NATO beizutreten. Nun kann und muss die NATO von der Türkei als Voraussetzung für die Fortführung ihrer Mitgliedschaft die Treue zu demokratischen Normen und universellen Werten fordern.

Nun gibt es zwei entscheidende Maßnahmen für die Umkehrung der demokratischen Regression in der Türkei.

Zuerst sollte eine neue zivile Verfassung mit Beteiligung aller Teile der Gesellschaft in einem demokratischen Prozess entworfen werden, die internationale Rechtsnormen und Wertesysteme berücksichtigt und Lehren aus etablierten, westlichen Demokratien zieht.

Zweitens muss ein Schulcurriculum entwickelt werden, das demokratische und pluralistische Werte hervorhebt und kritisches Denken fördert. Jede/r Schüler/in muss lernen, wie wichtig die Ausgewogenheit der Staatsmacht durch individuelle Rechte, die Gewaltenteilung, die Unabhängigkeit der Justiz und der Pressefreiheit ist und über die Gefahren des extremen Nationalismus, der Politisierung von Religion und der Verehrung des Staates oder eines Führers, aufgeklärt werden.

Vorher muss aber die türkische Regierung die Unterdrückung ihrer eigenen Bevölkerung und die Menschenrechtsverletzungen stoppen und die Opfer dieser Vergehen entschädigen.

Ich werde wahrscheinlich nicht erleben, wie die Türkei den Status einer vorbildlichen Demokratie erreicht, aber mein aufdringlicher Wunsch ist, dass sie sich vom Autoritarismus abwendet, bevor es zu spät sein wird.

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Die Gülen-Bewegung – Ercan Karakoyun

Ercan Karakoyun: Die Gülen-Bewegung – Was sie ist, was sie will

Seit dem Putschversuch des türkischen Militärs ist Hizmet (die sog. Gülen-Bewegung) täglich in den deutschen Mainstream-Medien zu finden. Eine Bewegung die in Deutschland seit über 20 Jahren erfolgreiche Bildungsarbeit leistet wird scheinbar neu entdeckt. Mit seinem neuen Buch „DIE GÜLEN BEWEGUNG – WAS SIE IST, WAS SIE WILL“ berichtet Ercan Karakoyun über Hizmet-Engagierte, ihre Ziele und ihre veränderte Situation in Deutschland und der Türkei.

Karakoyun beschreibt erstmals seit dem Einschnitt im Sommer 2016, was die auch hierzulande aktive Gülen-Bewegung wirklich will: einen menschlichen Islam, Demokratie und Bildung.

Nicht zuletzt berichtet Karakoyun, selbst Beispiel einer gelungenen Integration in Deutschland, davon, wie Hizmet-Mitglieder seit dem Putsch in Deutschland und überall in Europa von Erdogan-treuen Türken angefeindet, aus Moscheen geworfen oder sogar mit dem Tod bedroht werden.

Ein wichtiges Buch zu einem brennend aktuellen Thema – von einem echten Insider.

ercan karakoyun

“Die Gülen-Bewegung” ist in jedem handelsüblichen Buchladen zu erwerben.

Hier zur Leseprobe des Herder Verlags“Die Gülen-Bewegung” beim Herder-Verlag bestellen“Die Gülen-Bewegung” bei Amazon bestellen
Forum Dialog Berlin, Heimat

Das Forum Dialog Berlin veranstaltet mit freundlicher Unterstützung des Herder Verlags und der Stiftung Dialog und Bildung die erste Lesung im Literaturhaus Berlin.

Hier zur Lesung am 31.01.2017
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Forum Dialog: Links- und Rechtsextremismus als Demokratiegefährdung

Forum Dialog: Enthemmte Mitte – Polarisiertes Deutschland

Das Forum Dialog startet die Diskussionsreihe “Enthemmte Mitte – Polarisiertes Deutschland” mit dem ersten Themenabend: Links- und Rechtsextremismus als Demokratiegefährdung – Aktuelle Entwicklungen in der Hauptstadt. Gemeinsam mit Tom Schreiber, Mitglied im Abgeordnetenhaus von Berlin und Sprecher für den Bereich Verfassungsschutz, werden die TeilnehmerInnen an eines der konfliktbeladensten Themenkomplexe herangeführt.

Links- und Rechtsextremismus als Demokratiegefährdung – Aktuelle Entwicklungen in der Hauptstadt

Ungleichheit und soziale Polarisierung haben in den letzten 15 Jahren in Deutschland zugenommen. Aktuell gipfelt sich die Spaltung der Gesellschaft in der Flüchtlings- und Integrationsfrage, die europaweit mitunter zum Erstarken rechtspopulistischer Parteien beigetragen hat. Mit der Veranstaltungsreihe “Enthemmte Mitte – Polarisiertes Deutschland” möchte sich das Forum Dialog Themen widmen, die längst nicht mehr nur Randgruppen, sondern die Mitte der Gesellschaft polarisieren. Dazu gehören u.a. politischer und religiös-fundamentaler Extremismus, Hass im Netz, Rassismus unter feministischem Deckmantel, Antisemitismus und Islamfeindlichkeit.

Forum Dialog Berlin, Heimat

Datum: 20.10.2016
Ort: Forum Dialog Berlin
Mohrenstraße 34
10117 Berlin
Zeit: 19:00 Uhr
Thema: Links- und Rechtsextremismus als Demokratiegefährdung – Aktuelle Entwicklungen in der Hauptstadt
Referenten: Tom Schreiber, Mitglied im Abgeordnetenhaus von Berlin und Sprecher für den Bereich Verfassungsschutz

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Ruhrgespräche 2016: Islamismus, Salafismus oder Neosalafismus?

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Islamismus, Salafismus oder Neosalafismus?

Der Ruhrdialog e.V. richtet einmal mehr den Blick auf die Brennpunkte unserer Gesellschaft und sucht gemeinsam mit ExpertInnen und TeilnehmerInnen nach Lösungsansätzen. Im Themenfeld von Extremismus und Religion wird am Dienstag, den 11.10.2016 der Salafismus und seine Spielarten erörtert.

Ist der Neosalafismus eine Spielart des Islamismus? Was sind überhaupt die Kennzeichen islamistischer Ideologien? Und warum ist die salafistische Szene attraktiv für junge Menschen? Auf diese und andere Fragen versucht Dr. Michael Kiefer in seinem Vortrag Antworten zu geben.

Michael Kiefer ist Islamwissenschaftler an der Universität Osnabrück. Er forscht und schreibt über die Ausprägungen des Islam in Deutschland, Religionsunterricht, über religiös motivierten Extremismus sowie Präventionsansätze durch den Dialog.

Referent:
Dr. Michael Kiefer (Universität Osnabrück)

Ruhrgespräche 2016: Extremistische Strömungen in Nordrhein-Westfalen

Die Vortragsreihe nimmt Denkschemata, Ein- / Ausstiegsprozesse und weitere Aspekte von politisch- und religiös-extremistischen Strömungen in den Blick. Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede zeigen diese Gruppierungen im Hinblick auf Ideologien und Strukturen auf? Welche Rolle spielen Medien und Propaganda? Experten aus Theorie und Praxis tragen Thesen und Erkenntnisse vor.

Anmeldung unter info@ruhrdialog.org

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Datum: Dienstag, 11.10.2016
Ort: Ruhrdialog e.V.
Huttropstr. 60
45138 Essen
Zeit: 18:30 Uhr
Thema: Islamismus, Salafismus oder Neosalafismus?
Referentin: Dr. Michael Kiefer (Universität Osnabrück)

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dialog-nrw: Die Gülen-Bewegung (Hizmet) in NRW

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24.11.2016 | dialog-nrw | Podiumsdiskussion | Die Gülen-Bewegung (Hizmet) in NRW

Der neue Vereinsverbund „dialog-nrw“, bestehend aus vielen Dialogvereinen in Nordrhein-Westfalen, veranstaltete eine Podiumsdiskussion zu Hizmet (Gülen-Bewegung). Hierzu waren drei Experten geladen, die mit Impulsvorträgen in die Veranstaltung einführten und anschließend in eine interessante Diskussion einstiegen.

In letzter Zeit wird in der Öffentlichkeit die Hizmet-Bewegung um den muslimischen Prediger Fethullah Gülen kontrovers thematisiert. Für den türkischen Staatspräsidenten Erdogan ist er der Staatsfeind Nr. 1. Viele Experten sehen in ihm jedoch den Ideengeber einer globalen Bildungsbewegung, der den Islam in die Moderne führt.

Welche Motivation haben Menschen, die sich den Idealen eines Predigers anschließen und sich ehrenamtlich engagieren? Als ein Ideal wird das friedliche Zusammenleben besonders hervorgehoben. Im aktuellen Buch “Was ich denke, was ich glaube” versucht der Prediger Gülen sich zu erklären. Aufgrund der aktuellen Diskussionen wollen wir gemeinsam hinterfragen, was die Engagierten der Bewegung in Nordrhein-Westfalen tun, und ob diese Aktivitäten dem Ziel des friedlichen Zusammenlebens tatsächlich dienlich sind.

Anmeldung bis zum 21.11.2016 unter info@ruhrdialog.org

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Rheinlandgespraeche
rumiforum rhein
idiz ev

Datum: Donnerstag, 24.11.2016
Ort: VHS Düsseldorf
Bertha von Suttner Platz 1
40227 Düsseldorf
Zeit: 19:15 Uhr
Thema: Die Gülen-Bewegung (Hizmet) in NRW
Referenten: Ercan Karakoyun (Stiftung Dialog und Bildung)
Prof. Dr. Heiner Barz (Heinrich-Heine-Universität)
Volker Siefert (Hessischer Rundfunk, freier Journalist)

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