SDB_Logo_4c_transparent_trauerflor-475x320

Stellungnahme zum Anschlag in Berlin am 19.12.2016

Berlin, 20. Dezember 2016

Im Namen der Stiftung Dialog und Bildung, die Ansprechpartner für Hizmet in Deutschland ist, verurteilen wir den entsetzlichen Anschlag am Berliner Breitscheidplatz aufs Schärfste. Er hat uns bis ins tiefste Mark getroffen.

In dieser Zeit der tiefen Trauer stehen wir solidarisch mit allen Menschen gegen Gewalt, Hass und Terror.

Den Verletzten und Angehörigen wünschen wir Kraft und Geduld. Unsere Herzen sind bei den Familien und Angehörigen der Verstorbenen.

SDB_Logo_4c_transparent_trauerflor-475x320
Stiftung Dialog und Bildung

Pressemitteilung gegen Repressalien: ,,Deutschland darf nicht länger schweigen!“

Berlin 02. November 2016

„Deutschland darf nicht länger schweigen!“

Deutsche Gülen-Bewegung fordert klare Worte gegen den anti-demokratischen Kurs der türkischen Regierung

Berlin. „Die deutsche Politik muss endlich klare Worte für Erdogan finden und die Instrumentalisierung von Deutsch-Türken verhindern“, fordert Ercan Karakoyun, Vorsitzender der Stiftung Dialog und Bildung, die Ansprechpartner von Hizmet (Gülen-Bewegung) in Deutschland ist.

Die Entwicklungen in der Türkei seien nicht nur für die dort lebenden Menschen besorgniserregend, sondern schaden auch hierzulande der Integration von Deutsch-Türken und Muslimen anderer Nationalitäten. Außerdem spiele die – auch in Deutschland aggressiv vorgetragene – Hetzkampagne gegen demokratische Kräfte in der Türkei auch rechtsextremen Kräften in Deutschland, etwa Pegida oder der AFD, in die Hände.

Nach dem Putschversuch von Teilen des Militärs in der Türkei sind drei Monate vergangen. Verfolgungen, Verhaftungen und Suspendierungen laufen gnadenlos weiter. Bis zum heutigen Tag hat die türkische Regierung und Justiz keine Beweise über eine Beteiligung Hizmets erbracht. Der Rechtsstaat ist weitestgehend außer Kraft gesetzt: Zehntausende Menschen sitzen ohne rechtmäßige Anklage im Gefängnis, hunderttausende wurden ohne Grund von ihren Arbeitsplätzen suspendiert  – in der Regel nur aufgrund vager Verdächtigungen oder anonymer Denunziationen. Betroffen sind nicht nur Menschen, die sich aktiv in Einrichtungen der Hizmet-Bewegung (Schulen, Universitäten, Krankenhäuser, Medien oder Dialogvereinen) engagieren; auch ihre Familien, Freunde und Bekannte sind im Visier der öffentlichen Hetze. In Gefängnissen werden Menschen gefoltert. Die Berichterstattung aus der Türkei ist staatlich gesteuert, Pressefreiheit ist abgeschafft. Selbst Korrespondenten internationaler Medien sind nicht mehr in der Lage, unabhängig und frei zu berichten. Ein halbstündiges Interview mit Fethullah Gülen, das ein deutscher Redakteur vom ZDF heute-journal im September geführt hat und das hierzulande auf Deutsch und Türkisch im Internet zu sehen ist, ist in der Türkei gesperrt. Seit dem Putschversuch wurden alle Medien, die der Hizmet-Bewegung nahestehen geschlossen. Auch kurdische und kemalistische Medien sind inzwischen von Erdogans Hexenjagd betroffen.

Diese Hexenjagd hat auch in Deutschland schwerwiegende Folgen: Türkische Konsulate, die Botschaft und (zum Teil mehrsprachige) regierungsnahe Medien machen – völlig unabhängig vom Putschversuch – Hizmet auch in Deutschland zur Zielscheibe. Die türkische Regierung instrumentalisiert hiesige Lobby-Organisationen, etwa die Union Europäisch-Türkischer Demokraten UETD, aber auch die von der türkischen Regierung finanzierten Moscheeverbände DITIB und Milli Görüs für die Interessen Erdogans. Deutsch-türkische Familien werden unter Druck gesetzt, Geschäfte und Unternehmen boykottiert. Leidtragende ist die seit Jahrzehnten durch gelungene Integration entstandene deutsch-türkische Mittelschicht, aus denen die Hizmet-Bewegung sich zusammensetzt.

Etwa 100.000 Hizmet-Aktive in Deutschland, überwiegend deutsche Staatsbürger, sind aktuell durch die türkische Hexenjagd bedroht. Ercan Karakoyun fordert deswegen: „Die Bundesregierung muss die Demokratie verteidigen, auch gegen anti-demokratische Kräfte in und aus anderen Ländern. Das Schweigen Deutschlands zum aktuellen Kurs der Türkei ist nicht akzeptabel!“

2.931 Zeichen

Stellungnahme_Türkei
photo

Auf der Flucht vor Erdogans Regime – Asyl in Deutschland

26.11.2016 | heute journal | Asyl in Deutschland

Im Interview mit dem „heute journal“ beantworten eine Journalistin und ein Lehrerehepaar Fragen zu ihrem Leben nach der Flucht. Nach dem Putschversuch in der Türkei geht die Regierung weiterhin gegen jegliches oppositionelles Denken drastisch vor. Entlassungen, Verhaftungen und Folter stehen auf der Tagesordnung. Die Nachrichtensendungen ZDF heute und heute journal erzählen das Drama zweier Opfer, deren Situation, im Angesicht der bizarren Lage in der Türkei, als glimpflich zu bezeichnen ist. Als türkische Staatsbürger mussten sie über Nacht fliehen und haben in Deutschland Asyl beantragt. Dieses Asyl ist zu ihrer letzten Hoffnung auf Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit geworden. Abgeschnitten von Familien und Freunden blicken sie gebannt auf ihr Heimatland.

ZDF:
Seit dem Putschversuch in der Türkei geht Präsident Erdogan massiv gegen seine Kritiker vor. Immer mehr Verfolgte beantragen Asyl in Deutschland. Da vielen Erdogan-Kritikern der Reisepass entzogen wurde, wenden sie sich an Schlepper, berichtet eine Journalistin, die vor kurzem floh. 

Asyl in Deutschland beantragt
Die Familie Mert machte sich auf und davon – ließ ihr Haus in der Türkei zurück, ihr Auto, ihre Verwandten, ihre Freunde. Zeynep beantragte ein Bleiberecht in Deutschland, doch dies wurde abgelehnt. Da ihr nichts anderes übrig blieb, stellte sie vergangene Woche für sich und ihre Familie einen Asylantrag – wie etwa 4.400 andere verfolgte türkische Journalisten, Wissenschaftler, Geschäftsleute, Beamte und Soldaten. Das sind nach Angaben des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) mehr als doppelt so viele Asylanträge von Türken wie im Jahr zuvor.
Zwar betont das BAMF, dass ,,anhand der Zahlen keine Rückschlüsse auf den Putsch möglich sind“, doch die Berichte von Zeynep Mert lassen darauf schließen, dass es sich regelrecht um einen Exodus von regimekritischen Türken handelt.

Fethullah Gülen2

Spekulationen über einen zweiten Putschversuch: Stellungnahme von Fethullah Gülen

06.10.2016 | Stellungnahme | Putschversuch | Fethullah Gülen

 

Als jemand, der unter den Putschen in der Vergangenheit stets gelitten hat, glaube ich fest daran, dass aus einem Putsch heraus weder eine Demokratie entstehen noch eine bestehende Demokratie mit einem Putsch verteidigt werden kann. Bereits in der Vergangenheit habe ich immer wieder betont, dass es auf keinen Fall hinnehmbar ist, dass demokratisch legitimierte Personen durch antidemokratische Maßnahmen ihrer Ämter enthoben werden, selbst dann nicht, wenn erwiesen ist, dass sie die Grundprinzipien der allgemeingültigen Rechtsordnung mit Füßen treten und auch nicht wenn sie den Engagierten in der Hizmet-Bewegung und mir fatales Unrecht antun.

Ich verurteile nicht nur einen Putsch sondern auch den Versuch und auch nur den bloßen Gedanken an einen Putsch. Falls es innerhalb der Hizmet-Bewegung Menschen geben sollte, die in diese Richtung denken, reden oder agieren, stelle ich mich dem entgegen.

Obwohl ich immer wieder betone, dass ich in keinster Weise an dem verräterischen Putschversuch vom 15. Juli beteiligt war, wird über Personen, denen eine Nähe zu mir nachgesagt wird, der Versuch unternommen, mich als den Urheber des Putschversuches darzustellen – diese Verleumdung verurteile ich auf das Schärfste!

Falls die Personen, denen eine Nähe zu mir nachgesagt wird, tatsächlich an dem verräterischen Versuch beteiligt waren, dann haben sie sowohl mich, als auch die Bewegung, die als einziges Ziel den Frieden verfolgt, verraten und denjenigen gedient, die uns eine Verbindung zum Putsch und Terror unterstellen wollen.

Unmittelbar nach dem verräterisch geplanten Putschversuch und den unbegründeten Anschuldigungen in Bezug auf meine Person, habe ich mich für die Einberufung einer internationalen Kommission ausgesprochen, die die Ereignisse untersuchen und die Urheber dieser Initiative ausmachen sollte. Ich habe auch versprochen, dass ich dem Ergebnis einer solchen Untersuchung zustimmen und das Urteil akzeptieren werde. Dass, trotz meines Vorschlags, in dieser Hinsicht keine Initiative ergriffen wurde, eine Untersuchung nicht ermöglicht wurde, und das weiterhin Hizmet-Engagierte mit Vehemenz unbegründet und ohne Beweise beschuldigt werden, zeigt, dass an der Ermittlung der tatsächlichen Täter kein Interesse besteht. Die Tatsache, dass unter Folter eingeholte Aussagen als ausreichend angesehen werden und gesagt wird, dass “keine Untersuchungen erforderlich sind”, verschärft ausschließlich diesen Verdacht.

Wenn nun Regierungssprecher behaupten, dass sie von dem Putschversuch erst erfahren haben, als die Panzer auf den Straßen rollten, aber sie gleichzeitig innerhalb kürzester Zeit die Schuld der Hizmet-Bewegung zuweisen konnten, dann ist das ein offensichtlicher Hinweis ihrer wahren Absicht.
Seit Jahrzehnten tritt diese Bewegung für Frieden und Sicherheit ein. Schon früher versuchte man sie zu diskreditieren. Es ist offensichtlich, dass diese Bewegung nun anhand des verräterischen Putschversuchs mit Gewalt und Terror in Verbindung gebracht werden soll.

Jedoch haben die Hizmet-Anhänger trotz der Menschenrechtsverletzungen, Schikanen und Folter gegen sie nicht zur Gewalt gegriffen. Sie haben sich weiterhin auf juristischem Wege verteidigt und somit die Verleumdungen ins Leere laufen lassen.

Ich glaube, dass die Gerüchte über einen zweiten Putschversuch in den letzten Tagen absichtlich verbreitet werden. Ich bin besorgt darüber, dass der türkischen Bevölkerung, insbesondere den Anhängern der Hizmet-Bewegung, eine neue Falle gestellt werden soll. In diesem Zusammenhang entnehmen wir der Presse, dass Gefängnisinsassen damit gedroht wird, sie noch weiter zu isolieren und ja, sogar hinzurichten. Diese Drohungen sind furchterregend.

Einmal mehr verkünde ich der ganzen Welt, dass Anhänger der Hizmet-Bewegung sich von der Treue zur Demokratie und zur Rechtsstaatlichkeit nicht trennen werden, auch wenn sie schwerster Verfolgung, Unterdrückung, Diskriminierung und Folter ausgesetzt werden, sogar existenziell bedroht werden. Diese Menschen, die keiner Fliege etwas zuleide tun, wünschen sich lediglich, dass Frieden auf der ganzen Welt herrscht. Um diesen Gedanken zu realisieren, haben sie der Unwissenheit, der Armut und der gesellschaftlichen Spaltung, den Kampf erklärt. Trotz aller Hindernisse werden positives Denken und Handeln ihre Maxime sein.

Hiermit teile ich dies respektvoll der Öffentlichkeit mit!

M. Fethullah Gülen

Fethullah Gülen2
dw, gülen, karakoyun

Ercan Karakoyun on Conflict Zone

28.09.2016 | DW-Conflict Zone | Putschversuch | Ercan Karakoyun

Der Vorsitzende der Stiftung Dialog und Bildung, Ercan Karakoyun, stellte sich den hitzigen Fragen Tim Sebastians auf „Conflict Zone“. In dem wohl härtesten Interviewformat der Deutschen Welle beantwortet Karakoyun die äußerst kritischen Fragen zu den Aktivitäten Hizmets (Gülen-Bewegung) in der Türkei.

zdf, gülen, erdogan, putsch, heute journal

Fethullah Gülen im Exklusivinterview – heute journal | ZDF

23.09.2016 | heute journal | Putschversuch | Fethullah Gülen

Im Exklusivinterview mit dem „heute journal“ beantwortet Fethullah Gülen dringende Fragen nach dem Putschversuch und den darauf folgenden Verhaftungen und Entlassungen  in der Türkei. In diesem 30-minütigen Interview des ZDFs ließ Kamran Safiarian keine kritische Frage über Herr Gülen und Hizmet aus.

waz, gülen, karakoyun, hexenjagd

WAZ – „Hexenjagd wird 1:1 übertragen“

08.09.2016 | Westdeutsche Allgemeine Zeitung| Hexenjagd | Ercan Karakoyun

Der Vorsitzende der Stiftung Dialog und Bildung, Ercan Karakoyun, gab ein Interview an Harald Ries von der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung. Hizmet sieht sich nach dem Putschversuch des Militärs am 15.07.2016 in der Türkei mit einer gnadenlosen Hexenjagd des türkischen Staaten konfrontiert. Karakoyun schildert, dass dabei die Hetze aus der Türkei nach Deutschland übertragen wird.

Deutschlandfunk:

,,In der Türkei verfolgt Präsident Recep Tayyip Erdogan seit dem Putsch die Anhänger seines früheren Verbündeten Fethullah Gülen. In Deutschland spricht der gebürtige Westhofener Ercan Karakoyun als Vorsitzender der Stiftung Bildung und Dialog für die Bewegung. Ein Interview mit dem 36-Jährigen über die derzeit schwierige Lage.“

gülen, bultmann, türkei, erdogan

EJO: War es Gülen? – Journalisten und Erdogans Narrativ

31.08.2016 | Europäisches Journalismus-Observatorium| Narrativ | Christoph Bultmann

Der Erfurter Professor Christoph Bultmann wirft einen Blick auf das Narrativ in den deutschen Leitmedien. Welche Positionen nehmen die westlichen Journalisten nach dem Putschversuch in der Türkei ein? Laut Bultmann gebe es ein erstaunliche Übernahme des erdoganschen Narrativs in den hiesigen Medien.

Europäisches Journalismus-Observatorium:

,,Wer in den Tagen nach dem 16. Juli in Blättern wie der Süddeutschen Zeitung, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Die Welt, Neue Zürcher Zeitung oder Financial Times nach Artikeln suchte, welche die Zuschreibung des Putschversuchs an Anhänger von Gülen als türkische Regierungspropaganda zurückgewiesen hätten, suchte vergeblich. Am 5. August 2016 konnte sich die Süddeutsche Zeitung immerhin dazu durchringen, ein Interview mit dem im Ruhestand lebenden türkischen Verfassungsrichter Yekta Güngör Özden zu publizieren, in dem der Jurist auf die Eingangsfrage „Herr Özden, wer steckt hinter dem gescheiterten Putsch vom 15. Juli?“ antwortete: „Unsere gleichgeschalteten Medien zeigen auf Fethullah Gülen, aber das heißt nicht, dass Gülen es war. Wir sagen in der Türkei: Das Auge glaubt dem, was es sieht, das Ohr dem, was es hört. Bis ich konkrete Beweise sehe, kann ich nur spekulieren, und spekulieren will ich nicht.““

the-new-york-times

„Ich verurteile jegliche Angriffe auf die Demokratie in der Türkei“

25.07.2016 | The New York Times | DemokratieFethullah Gülen

SAYLORSBURG, Pennsylvania (US) — Als diesen Monat in der Türkei der Versuch eines Militärputsches im Gange war, habe ich diesen aufs Schärfste verurteilt. Ich sagte: „Eine Regierungsübernahme sollte durch freie und faire Wahlen, nicht durch Gewalt erfolgen,‟ und äußerte weiter, dass ich zu Gott beten werde, für die Türkei, für die türkische Bevölkerung und für alle, die sich derzeit in der Türkei aufhalten, damit diese Situation schnell und friedlich gelöst werde.
Trotz meines unmissverständlichen Protests, der den Äußerungen aller drei großen Oppositionsparteien ähnelte, wurde ich von Recep Tayyip Erdogan sofort beschuldigt, der Drahtzieher hinter diesem Putsch zu sein. Der immer authoritärer agierende türkische Staatspräsident verlangte von den USA meine Auslieferung. Seit 1999 lebe ich in meinem Zuhause in Pennsylvania in freiwillig gewähltem Exil.
Die Äußerungen des Präsidenten Erdogan sind nicht nur konträr zu allem, was ich glaube, sie sind auch verantwortungslos und falsch.
Meine Philosophie folgt einem inklusiven und pluralistischen Islam, der sich dem Dienst an den Menschen egal welcher Glaubensrichtung verschrieben hat. Somit steht sie in klarem Gegensatz zu bewaffnetem Aufstand. Mehr als 40 Jahre lang treten die Anhänger der Bewegung, mit der ich verbunden werde — bekannt unter dem Namen Hizmet, dem türkischen Wort für “Dienst” — dafür ein, dass eine Regierungsform ihre Legitimität durch den Willen der Bevölkerung erhält und die Rechte aller Bürger ungeachtet ihrer religiösen Gesinnung, politischen Zugehörigkeit oder ihrer ethnischen Wurzeln schützt. Zahlreiche Unternehmer und Ehrenamtliche ließen sich von den Werten Hizmets inspirierenund haben sich für moderne Bildung und soziale Projekte in über 150 Ländern eingesetzt.

In einer Zeit, in der westliche Demokratien nach moderaten Stimmen aus dem Kreis der Muslime suchen, vertreten ich und meine Freunde in der Hizmet-Bewegung eine klare Position im Hinblick auf extremistische Gewalt, angefangen von den Anschlägen des 11. Septembers, über Al Qaeda, bis hin zu brutalen Hinrichtungen des IS oder den Geiselnahmen durch Boko Haram.
Zusätzlich zur Verurteilung sinnloser Gewalt, wie während des Putschversuches, haben wir immer unseren Einsatz betont, präventiv gegen die Rekrutierung von Terroristen unter muslimischen Jugendlichen zu wirken und dafür, eine friedfertige und pluralistische Geisteshaltung zu fördern.
Mein ganzes Leben lang, habe ich öffentlich und im Privaten Eingriffe des Militärs in die Innenpolitik angeprangert und mich über Jahrzehnte hinweg für Demokratie eingesetzt. In der Türkei habe ich selbst binnen 40 Jahren vier Mal einen Militärputsch miterleben müssen; von genau diesen Militärregimen wurde ich selbst schikaniert und zu Unrecht inhaftiert. Aus diesem Grund würde ich niemals wollen, dass meine Landsleute eine solche Qual erleiden müssen. Sollte irgendjemand, der ein Hizmet-Sympathisant zu sein scheint, in diesen Putschversuch verwickelt gewesen sein, begeht er Verrat an meinen Idealen.
Dennoch kommen die Anschuldigungen von Herrn Erdogan nicht überraschend; nicht bezogen darauf, was über mich gesagt wird, sondern darauf, dass sie zeigen, wie systematisch und gefährlich er auf dem Weg zur Alleinherrschaft nach vorne prescht.

So wie viele Bürger der Türkei befürworteten auch die Anhänger der Hizmet-Bewegung die anfänglichen Bemühungen Erdogans, die Türkei zu demokratisieren und die Aufnahmekriterien für die Europäische Union zu erfüllen. Allerdings haben wir nicht geschwiegen, als er sich von der Demokratie zum Despotismus wandte. Bereits vor der aktuellen Säuberungswelle agierte Präsident Erdogan in den letzten Jahren willkürlich, indem er Zeitungsredaktionen schloss, tausende von Richtern, Staatsanwälten, Polizisten und Beamten ihres Amtes enthob und äußerst drastische Maßnahmen gegen die kurdische Bevölkerung ergriff. Kritiker werden von ihm zu Staatsfeinden erklärt.

Demokratie, Türkei, Gülen, Putschversuch
Hier zum Artikel auf HizmetNews.de
Hier zum Artikel auf NYTimes.com

Der Zorn des Präsidenten war dabei besonders auf die Hizmet-Bewegung gerichtet. 2013 beschuldigte Präsident Erdogan die Hizmet-Anhänger innerhalb der türkischen Verwaltung Korruptionsermittlungen aufgenommen zu haben, die sich gegen Mitglieder des Kabinetts und enge Verbündete richteten. Als Reaktion darauf wurden zahlreiche Richter, Staatsanwälte und Polizisten entlassen oder eingesperrt, allein weil sie ihrer Arbeit nachgegangen waren.
Seit Erdogan 2014 zum Staatspräsidenten gewählt wurde, nachdem er elf Jahre lang Premierminister war, verfolgt er das Ziel die Türkei von einer parlamentarischen Demokratie in ein „Präsidialregime‟ umzuwandeln, im Grunde ohne Kontrolle seiner Macht. In diesem Zusammenhang ist die Aussage Erdogans, der gescheiterte Putschversuch sei „ein Geschenk Gottes‟ besorgniserregend. Auf diesem Wege werden immer mehr Dissidenten von Regierungsbehörden verfolgt — knapp 70.000 wurden bereits entlassen — und, um noch härter gegen Hizmet und andere zivile Organisationen vorzugehen, räumt er viele, der verbliebenen Hindernisse für die Erlangung der absoluten Macht aus dem Weg. Amnesty International hat „glaubhafte‟ Berichte über Folter ans Licht gebracht, darunter Vergewaltigungen in Gefangenenlagern. Es verwundert also nicht, dass Erdogans Regierung die Europäische Menschenrechtskonvention außer Kraft gesetzt und den Notstand ausgerufen hat.
Der türkische Staatspräsident erpresst die Vereinigten Staaten, indem er droht, die Unterstützung des internationalen Bündnisses gegen den IS zu drosseln. Sein Ziel dabei ist, meine Auslieferung zu erreichen, trotz Mangel an glaubwürdiger Beweise und praktisch keiner Aussicht auf ein faires Verfahren. Die Versuchung Herrn Erdogan all das zu geben, was er will, ist nachvollziehbar, aber die Vereinigten Staaten müssen standhaft bleiben.
Gewaltätiger Extremismus wird genährt von der Frustration derer, die gezwungen sind unter Dikatoren zu leben, die nicht durch friedvollen Proteste und demokratische Politik anfechtbar sind. Die Gesellschaft in der Türkei ist durch die Verschiebung der Regierung Erdogans hin zu einer Diktatur von einer Spaltung gekennzeichnet, welche sich durch die Reihen der Sektierer, der Politik, der Religion und der ethnischen Gruppen zieht und den Fanatismus schürt.
Im Namen der weltweiten Bemühungen für die Herstellung des Friedens in turbulenten Zeiten, und um die Zukunft der Demokratie im Nahen Osten zu sichern, dürfen die Vereinigten Staaten nicht einem Autokraten nachgeben, der einen fehlgeschlagenen Putsch nutzt und ihn in seinen eigenen in Zeitlupe ausgeführten Staatsstreich gegen die konstitutionelle Regierung verkehrt.

Putschversuch, Karakoyun, Türkei, Hizmet, Gülen

Deutschlandfunk – „Erdogan hat einen Sündenbock gesucht und gefunden“

22.07.2016 | Deutschlandfunk | Putschversuch | Ercan Karakoyun

Der Vorsitzende der Stiftung Dialog und Bildung, Ercan Karakoyun, sprach im Interview mit Thielko Grieß im Deutschlandfunk. Hizmet sieht sich nach dem Putschversuch des Militärs in der Türkei einer Verleumdungskampagne des türkischen Staaten entgegen. Karakoyun schildert die Sicht der Menschen in Hizmet und erklärt die Methodik der türkischen Behörden nach dem Putschversuch. Dabei sieht er nicht nur die Gülen-Bewegung im Kreuzfaden des türkischen Präsidenten, sondern alle Kritiker und Oppositionelle.

Deutschlandfunk:

,,War die Gülen-Bewegung am Putschversuch in der Türkei beteiligt? Das behauptet Staatspräsident Erdogan. Für Ercan Karakoyun ein „absurder Vorwurf“: Der Leiter der Gülen-nahen Stiftung „Bildung und Dialog“ sagte im DLF, seine Bewegung lehne jegliche Form von Gewalt strikt ab. Erdogan wolle in der Türkei alle „Freidenkenden“ unter dem Vorwand der Putschbeteiligung mundtot machen.“