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PM: Hizmet hat nichts mit dem Moscheeprojekt von Seyran Ates zu tun!

Berlin 19. Juni 2017

Seyran Ateş eröffnet Moschee – Ercan Karakoyun erhält deswegen Morddrohungen

Berlin. Ein „Skandal“ und „einer der größten Verrate in der Geschichte der Türkei“, wetterte AHaber TV zur besten Sendezeit am Freitagabend. Anlass der Empörung ist die Gründung der „Ibn Rushd-Goethe-Moschee“ in Berlin.

Auch deutsche Medien hatten dieses Ereignis mit großer Aufmerksamkeit verfolgt, als Seyran Ates ihre liberale Moschee in Berlin-Moabit eröffnete. Die in der muslimischen Gesellschaft umstrittene Diskussionen dazu nahmen türkische Medien zum Anlass, um eine Hetzkampagne zu starten und das Projekt Hizmet (sog. Gülen-Bewegung) anzulasten. Dadurch hat sich die Bedrohungslage erneut verschärft.

„Hizmet hat nichts mit dem Projekt zu tun“

Ercan Karakoyun, Vorsitzender der Stiftung Dialog und Bildung (Ansprechpartner für die Werte Hizmets in Deutschland), stellt eindeutig klar:

„Hizmet hat nichts dem Projekt von Seyran Ateş zu tun. Weder die Stiftung noch irgendeine Hizmet-Einrichtung sind daran beteiligt – auch ich persönlich in keinster Weise. Diese Moschee entspricht nicht unserer Vorstellung des Islams. In einer pluralistischen Gesellschaft tolerieren wir selbstverständlich auch so ein Vorhaben.“

Für AHaber TV aber ist Ateş‘ Projekt ein deutlicher Beweis, dass in Deutschland „türkeifeindliche Terroristen und Ketzer frei agieren können“, „Berlin zeigt hier sein hässliches Fetö-Gesicht“, stellt der Vier-Minuten-Beitrag schon nach Sekunden den für türkische Ohren dramatischen Zusammenhang her („Fetö“ ist ein von der türkischen Regierung erfundenes diffamierendes Kürzel für die türkischstämmige Bildungs- und Dialogbewegung Hizmet). Als Beweis dient eine Handyaufnahme von Seyran Ateş und dem Freiburger Islamwissen-schaftler Abdel-Hakim Ourghi, welcher fälschlicherweise als Ercan Karakoyun benannt wird.

Aufruf zur Selbstjustiz – Auftakt einer gezielten Hetzjagd

Erdogan forderte bereits Tage zuvor alle Türken auf, Hizmet Menschen die richtige Strafe selbst zu geben. Ein fataler Aufruf zu Gewalt und Selbstjustiz. Offensichtlich ist der AHaber TV-Beitrag Auftakt einer gezielten Hetzjagd gegen die Bildungsbewegung Hizmet und Ercan Karakoyun. Am Wochenende folgten zahlreiche türkische Zeitungen dem Vorbild und stellten eine Verbindung zwischen Hizmet und der Moschee von Seyran Ateş her. Eine Verbindung, die frei erfunden ist. Die türkischen Boulevardblätter Sabah und Star beschuldigen allesamt gleichlautend Ercan Karakoyun, als „Pressesprecher die staatlichen Imame des DIYANET/DITIB zu diffamieren und zugleich ein ketzerisches Projekt zu unterstützen“. Diese Medien werden auch von der türkischsprachigen Bevölkerung in Deutschland gelesen. Doch die Hetze gibt es zeitgleich auf Deutsch: Der deutsche Journalist Martin Lejeune, inzwischen zum Islam konvertiert und bekennender Erdogan-Anhänger, wettert öffentlich gegen die Ateş-Moschee, eine „Entislamisierung des Islam“ und fordert DITIB auf, endlich etwas gegen „Fetö“ zu unternehmen: „Das muss gestoppt werden! Man muss etwas dagegen tun!“

Morddrohung im Live-TV

Richtig Klartext redete letzte Woche der bekannte Journalist Cem Kücük, mit einer Viertelmillion Followern auf Twitter und Facebook durchaus ein Gewicht in der türkischsprachigen Community. In einem lockeren Fernsehinterview verwies er darauf, dass der türkische Geheimdienst MIT die Befugnis habe, im Ausland „Operationen“, also auch Entführungen und Morde, durchzuführen. Es gebe im Ausland viele Menschen, die bereit seien, sich zu opfern: „Wir wissen, wo die Mitglieder leben.“

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Beileidsbekundung: Fethullah Gülen verurteilt das Attentat in Manchester

23. Mai 2017 | Fethullah Gülen | Beileidsbekundung | Manchester (GB)

Fethullah Gülen verurteilt das Attentat in Manchester

Ich bin zutiefst betrübt über das Bombenattentat auf das Konzert in der Manchester Arena am 22. Mai 2017. Ich verurteile diesen brutalen Angriff aufs Allerschärfste und spreche den 22 Opfern, unter denen sich auch Kinder befanden, und den 59 Verletzten sowie ihren Familien und Angehörigen mein tiefstes Beileid aus. Der IS (Islamischer Staat) beansprucht Urheberschaft für diesen Anschlag und bleibt weiterhin eine Geißel unserer Gesellschaft, die zu sinnloser und schrecklicher Gewalt sowie Terrorismus aufruft.

Es ist herzzerbrechend, dass ein Konzert, welches als fröhliches Event Menschen zum Genießen von Musik und Freundschaft zusammenbringt, in eine Szenerie der Gewalt, des Chaos und des Terrors verfällt. Wie ich bereits mehrfach betonte ist jeder Anschlag auf die Unverletzlichkeit des Menschenlebens ein Angriff auf die Menschlichkeit. Es gibt keine Rechtfertigung für solch eine Gräueltat. Ich werde weiterhin ohne zu zögern jede Gewaltverherrlichung anprangern – sei sie religiös, politisch oder ideologisch motiviert.

So verstört ich auch von dieser bösartigen Tat bin, werde ich zu Gott, dem Barmherzigsten, für eine schnelle Genesung der Verletzten beten. Möge er die Opfer dieser Tragödie, freilich auch unsere globale Gemeinschaft, zu Frieden und Harmonie geleiten.

 

Über Fethullah Gülen
Fethullah Gülen ist ein türkischer Islamgelehrter, Autor und Dichter. Er wurde 1941 in Erzurum in der Ost-Türkei geboren. Mit seinen Lehren zu interreligiösem Dialog und friedlichem Miteinander und seinem Einsatz für Bildung als Schlüssel zu Entwicklung und Wohlstand bewegt er seit Jahren Menschen auf der ganzen Welt zu ehrenamtlichem Engagement. Er wird von Vielen als ein wichtiger muslimischer Gelehrter und interreligiöser Partner geschätzt, der sich für die Vereinbarkeit des Islam mit der Moderne und dessen Antworten auf Fragen unserer Zeit eingesetzt hat.

Über die Stiftung Dialog und Bildung
Die Stiftung Dialog und Bildung ist eine Stiftung von Menschen, die in Hizmet (der “Gülen-Bewegung”) aktiv sind. Das Engagement von Hizmet für interkulturellen Dialog und Bildung ist aus einzelnen Initiativen vor Ort entstanden und in vielfältiger Form gewachsen. Vor diesem Hintergrund gibt die Stiftung als Ansprechpartner für Engagierte, Partner und Interessierte sowie Medien und Politik Antworten auf Fragen in Bezug auf Hizmet.

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Fethullah Gülen: Türkei, das Land das ich nicht wiedererkenne

16.05.2017 | The Washington Post | Demokratie | Fethullah Gülen

 

SAYLORSBURG, Pennsylvania (US) —Heute treffen sich im Weißen Haus der Präsident der USA, dem Land, welches ich seit 20 Jahren mein Zuhause nenne, und der Präsident meiner Heimat, der Türkei.

Für diese beiden Länder steht viel auf dem Spiel – darunter den Kampf gegen den IS, die Zukunft Syriens und die Flüchtlingskrise.

Jedoch ist die Türkei, die einst als hoffnungsvolles Land auf dem Weg zur Konsolidierung ihrer Demokratie und einer gemäßigten Form des Säkularismus galt, nicht mehr wieder zu erkennen. Sie leidet unter der Herrschaft eines Präsidenten, der alles dafür tut, um die ganze Macht an sich zu reißen und alle Oppositionelle zu unterwerfen.

Der Westen muss der Türkei helfen, auf einen demokratischen Weg zurückzukehren. Das heutige Treffen und der NATO-Gipfel in der nächsten Woche sollten deshalb dazu genutzt werden, diese Bestrebung voranzutreiben.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan begann nach dem abscheulichen Putschversuch am 15. Juli letzten Jahres eine systematische Hexenjagd nach unschuldigen Menschen. Das Leben von mehr als 300.000 Menschen, darunter Kurden, Aleviten, Säkularisten, Linke, Journalisten, Akademiker und Engagierte der friedlichen humanitären Hizmet-Bewegung, mit der ich verbunden bin, wurde durch Verhaftungen, Entlassungen und diverse Methoden ruiniert.

Während und auch nach dem Putschversuch habe ich diesen auf das Schärfste verurteilt und jeglichen Putschvorwurf entschieden zurückgewiesen. Außerdem betonte ich, dass jeder, der am Putsch beteiligt gewesen ist, Verrat an meinen Idealen geübt hat. Dennoch beschuldigte Erdoğan mich den Putsch aus 5.000 Meilen Entfernung orchestriert zu haben – ohne jeglichen Beweis.

Am Tag nach dem gescheiterten Putschversuch veröffentlichte die türkische Regierung eine Liste mit Namen von Tausenden Menschen, die mit der Hizmet-Bewegung in Verbindung gebracht wurden, da sie ein Konto bei einer bestimmten Bank hatten, Lehrer auf einer bestimmten Schule waren oder journalistische Tätigkeiten für eine bestimmte Mediengruppe ausübten. Als ob diese Umstände Straftaten wären, wurden diese Menschen wie Schwerverbrecher behandelt und ihr Leben ruiniert. Auf diesen Listen waren sogar Namen von Menschen aufgeführt, die bereits verstorben waren, oder auf dem NATO-Stützpunkt in Europa stationierte Soldaten waren. Viele internationale Beobachter haben von mehreren Entführungen, Folter und Todesfällen in Polizeigewahrsam berichtet. Die Regierung Erdoğans verfolgt und spioniert sogar unschuldige Menschen außerhalb der Türkei aus. So hat die türkische Regierung Druck auf die Regierung in Malaysia ausgeübt, damit diese drei Hizmet-Engagierte, darunter ein Schulleiter, der seit 15 Jahren in Malaysia lebt, festnehmen lässt und an die Türkei ausliefert – unter Gewissheit, dass diesen Gefängnis und auch Folter drohen.

Im April hat der türkische Präsident Erdoğan das Referendum – unter schwerwiegenden Betrugsvorwürfen – knapp für sich entschieden und somit ein Präsidialsystem errichtet, in welchem er alle drei Staatsgewalten kontrollieren kann. Bereits vorher hatte er durch „Säuberungen“ aus dem Staatsdienst und Korruption diese Gewalten größtenteils unter seine Kontrolle gebracht. In dieser neuen Phase des Autoritarismus bange ich um die türkische Bevölkerung.

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Hier zum Artikel auf Washingtonpost.com

Dabei begann alles ganz anders. Die AKP kam 2002 mit dem Versprechen demokratischer Reformen – das Ziel war die EU-Mitgliedschaft – an die Macht. Aber im Laufe der Zeit wurde Erdogan zunehmend intolerant gegenüber oppositionellen Stimmen. Mithilfe von staatlichen Regulierungsbehörden hat er dafür gesorgt, dass seine Anhängerschaft immer mehr Medienunternehmen übernommen haben. 2013 hat er die Gezi Park-Demonstrationen gewaltsam niedergeschlagen. Als im Dezember desselben Jahres bekannt wurde, dass Mitglieder seines Kabinetts in einen Korruptionsskandal verwickelt waren, reagierte er darauf mit der Unterjochung der Justiz und Presse. Der nach dem 15. Juli ausgerufene Ausnahmezustand dauert immer noch an. Laut Amnesty International sitzen ein Drittel aller inhaftierten Journalisten auf der Welt in türkischen Gefängnissen.

Erdogans Verfolgung und Unterdrückung der eigenen Bevölkerung ist keine innenpolitische Angelegenheit mehr. Die anhaltende Unterdrückung der Zivilgesellschaft, von Journalisten, Akademikern und Kurden in der Türkei bedroht die langfristige Stabilität des Landes. Die Gesellschaft ist bereits durch das AKP-Regime tief gespalten und polarisiert worden. Eine Türkei die sich in ein diktatorisches Regime verwandelt, radikalen Gruppen Schutz bietet und somit die kurdische Bevölkerung zum verzweifeln bringt, wäre für die Sicherheit im Nahen Osten ein Alptraum.

Die türkische Bevölkerung braucht die Unterstützung ihrer europäischen Verbündeten und der Vereinigten Staaten, um ihre Demokratie wiederherzustellen. Die Türkei hat im Jahr 1950 das Mehrparteiensystem eingeführt, um der NATO beizutreten. Nun kann und muss die NATO von der Türkei als Voraussetzung für die Fortführung ihrer Mitgliedschaft die Treue zu demokratischen Normen und universellen Werten fordern.

Nun gibt es zwei entscheidende Maßnahmen für die Umkehrung der demokratischen Regression in der Türkei.

Zuerst sollte eine neue zivile Verfassung mit Beteiligung aller Teile der Gesellschaft in einem demokratischen Prozess entworfen werden, die internationale Rechtsnormen und Wertesysteme berücksichtigt und Lehren aus etablierten, westlichen Demokratien zieht.

Zweitens muss ein Schulcurriculum entwickelt werden, das demokratische und pluralistische Werte hervorhebt und kritisches Denken fördert. Jede/r Schüler/in muss lernen, wie wichtig die Ausgewogenheit der Staatsmacht durch individuelle Rechte, die Gewaltenteilung, die Unabhängigkeit der Justiz und der Pressefreiheit ist und über die Gefahren des extremen Nationalismus, der Politisierung von Religion und der Verehrung des Staates oder eines Führers, aufgeklärt werden.

Vorher muss aber die türkische Regierung die Unterdrückung ihrer eigenen Bevölkerung und die Menschenrechtsverletzungen stoppen und die Opfer dieser Vergehen entschädigen.

Ich werde wahrscheinlich nicht erleben, wie die Türkei den Status einer vorbildlichen Demokratie erreicht, aber mein aufdringlicher Wunsch ist, dass sie sich vom Autoritarismus abwendet, bevor es zu spät sein wird.

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Stellungnahme zum Anschlag in Berlin am 19.12.2016

Berlin, 20. Dezember 2016

Im Namen der Stiftung Dialog und Bildung, die Ansprechpartner für Hizmet in Deutschland ist, verurteilen wir den entsetzlichen Anschlag am Berliner Breitscheidplatz aufs Schärfste. Er hat uns bis ins tiefste Mark getroffen.

In dieser Zeit der tiefen Trauer stehen wir solidarisch mit allen Menschen gegen Gewalt, Hass und Terror.

Den Verletzten und Angehörigen wünschen wir Kraft und Geduld. Unsere Herzen sind bei den Familien und Angehörigen der Verstorbenen.

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Stiftung Dialog und Bildung

Pressemitteilung gegen Repressalien: ,,Deutschland darf nicht länger schweigen!“

Berlin 02. November 2016

„Deutschland darf nicht länger schweigen!“

Deutsche Gülen-Bewegung fordert klare Worte gegen den anti-demokratischen Kurs der türkischen Regierung

Berlin. „Die deutsche Politik muss endlich klare Worte für Erdogan finden und die Instrumentalisierung von Deutsch-Türken verhindern“, fordert Ercan Karakoyun, Vorsitzender der Stiftung Dialog und Bildung, die Ansprechpartner von Hizmet (Gülen-Bewegung) in Deutschland ist.

Die Entwicklungen in der Türkei seien nicht nur für die dort lebenden Menschen besorgniserregend, sondern schaden auch hierzulande der Integration von Deutsch-Türken und Muslimen anderer Nationalitäten. Außerdem spiele die – auch in Deutschland aggressiv vorgetragene – Hetzkampagne gegen demokratische Kräfte in der Türkei auch rechtsextremen Kräften in Deutschland, etwa Pegida oder der AFD, in die Hände.

Nach dem Putschversuch von Teilen des Militärs in der Türkei sind drei Monate vergangen. Verfolgungen, Verhaftungen und Suspendierungen laufen gnadenlos weiter. Bis zum heutigen Tag hat die türkische Regierung und Justiz keine Beweise über eine Beteiligung Hizmets erbracht. Der Rechtsstaat ist weitestgehend außer Kraft gesetzt: Zehntausende Menschen sitzen ohne rechtmäßige Anklage im Gefängnis, hunderttausende wurden ohne Grund von ihren Arbeitsplätzen suspendiert  – in der Regel nur aufgrund vager Verdächtigungen oder anonymer Denunziationen. Betroffen sind nicht nur Menschen, die sich aktiv in Einrichtungen der Hizmet-Bewegung (Schulen, Universitäten, Krankenhäuser, Medien oder Dialogvereinen) engagieren; auch ihre Familien, Freunde und Bekannte sind im Visier der öffentlichen Hetze. In Gefängnissen werden Menschen gefoltert. Die Berichterstattung aus der Türkei ist staatlich gesteuert, Pressefreiheit ist abgeschafft. Selbst Korrespondenten internationaler Medien sind nicht mehr in der Lage, unabhängig und frei zu berichten. Ein halbstündiges Interview mit Fethullah Gülen, das ein deutscher Redakteur vom ZDF heute-journal im September geführt hat und das hierzulande auf Deutsch und Türkisch im Internet zu sehen ist, ist in der Türkei gesperrt. Seit dem Putschversuch wurden alle Medien, die der Hizmet-Bewegung nahestehen geschlossen. Auch kurdische und kemalistische Medien sind inzwischen von Erdogans Hexenjagd betroffen.

Diese Hexenjagd hat auch in Deutschland schwerwiegende Folgen: Türkische Konsulate, die Botschaft und (zum Teil mehrsprachige) regierungsnahe Medien machen – völlig unabhängig vom Putschversuch – Hizmet auch in Deutschland zur Zielscheibe. Die türkische Regierung instrumentalisiert hiesige Lobby-Organisationen, etwa die Union Europäisch-Türkischer Demokraten UETD, aber auch die von der türkischen Regierung finanzierten Moscheeverbände DITIB und Milli Görüs für die Interessen Erdogans. Deutsch-türkische Familien werden unter Druck gesetzt, Geschäfte und Unternehmen boykottiert. Leidtragende ist die seit Jahrzehnten durch gelungene Integration entstandene deutsch-türkische Mittelschicht, aus denen die Hizmet-Bewegung sich zusammensetzt.

Etwa 100.000 Hizmet-Aktive in Deutschland, überwiegend deutsche Staatsbürger, sind aktuell durch die türkische Hexenjagd bedroht. Ercan Karakoyun fordert deswegen: „Die Bundesregierung muss die Demokratie verteidigen, auch gegen anti-demokratische Kräfte in und aus anderen Ländern. Das Schweigen Deutschlands zum aktuellen Kurs der Türkei ist nicht akzeptabel!“

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Auf der Flucht vor Erdogans Regime – Asyl in Deutschland

26.11.2016 | heute journal | Asyl in Deutschland

Im Interview mit dem „heute journal“ beantworten eine Journalistin und ein Lehrerehepaar Fragen zu ihrem Leben nach der Flucht. Nach dem Putschversuch in der Türkei geht die Regierung weiterhin gegen jegliches oppositionelles Denken drastisch vor. Entlassungen, Verhaftungen und Folter stehen auf der Tagesordnung. Die Nachrichtensendungen ZDF heute und heute journal erzählen das Drama zweier Opfer, deren Situation, im Angesicht der bizarren Lage in der Türkei, als glimpflich zu bezeichnen ist. Als türkische Staatsbürger mussten sie über Nacht fliehen und haben in Deutschland Asyl beantragt. Dieses Asyl ist zu ihrer letzten Hoffnung auf Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit geworden. Abgeschnitten von Familien und Freunden blicken sie gebannt auf ihr Heimatland.

ZDF:
Seit dem Putschversuch in der Türkei geht Präsident Erdogan massiv gegen seine Kritiker vor. Immer mehr Verfolgte beantragen Asyl in Deutschland. Da vielen Erdogan-Kritikern der Reisepass entzogen wurde, wenden sie sich an Schlepper, berichtet eine Journalistin, die vor kurzem floh. 

Asyl in Deutschland beantragt
Die Familie Mert machte sich auf und davon – ließ ihr Haus in der Türkei zurück, ihr Auto, ihre Verwandten, ihre Freunde. Zeynep beantragte ein Bleiberecht in Deutschland, doch dies wurde abgelehnt. Da ihr nichts anderes übrig blieb, stellte sie vergangene Woche für sich und ihre Familie einen Asylantrag – wie etwa 4.400 andere verfolgte türkische Journalisten, Wissenschaftler, Geschäftsleute, Beamte und Soldaten. Das sind nach Angaben des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) mehr als doppelt so viele Asylanträge von Türken wie im Jahr zuvor.
Zwar betont das BAMF, dass ,,anhand der Zahlen keine Rückschlüsse auf den Putsch möglich sind“, doch die Berichte von Zeynep Mert lassen darauf schließen, dass es sich regelrecht um einen Exodus von regimekritischen Türken handelt.

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Spekulationen über einen zweiten Putschversuch: Stellungnahme von Fethullah Gülen

06.10.2016 | Stellungnahme | Putschversuch | Fethullah Gülen

 

Als jemand, der unter den Putschen in der Vergangenheit stets gelitten hat, glaube ich fest daran, dass aus einem Putsch heraus weder eine Demokratie entstehen noch eine bestehende Demokratie mit einem Putsch verteidigt werden kann. Bereits in der Vergangenheit habe ich immer wieder betont, dass es auf keinen Fall hinnehmbar ist, dass demokratisch legitimierte Personen durch antidemokratische Maßnahmen ihrer Ämter enthoben werden, selbst dann nicht, wenn erwiesen ist, dass sie die Grundprinzipien der allgemeingültigen Rechtsordnung mit Füßen treten und auch nicht wenn sie den Engagierten in der Hizmet-Bewegung und mir fatales Unrecht antun.

Ich verurteile nicht nur einen Putsch sondern auch den Versuch und auch nur den bloßen Gedanken an einen Putsch. Falls es innerhalb der Hizmet-Bewegung Menschen geben sollte, die in diese Richtung denken, reden oder agieren, stelle ich mich dem entgegen.

Obwohl ich immer wieder betone, dass ich in keinster Weise an dem verräterischen Putschversuch vom 15. Juli beteiligt war, wird über Personen, denen eine Nähe zu mir nachgesagt wird, der Versuch unternommen, mich als den Urheber des Putschversuches darzustellen – diese Verleumdung verurteile ich auf das Schärfste!

Falls die Personen, denen eine Nähe zu mir nachgesagt wird, tatsächlich an dem verräterischen Versuch beteiligt waren, dann haben sie sowohl mich, als auch die Bewegung, die als einziges Ziel den Frieden verfolgt, verraten und denjenigen gedient, die uns eine Verbindung zum Putsch und Terror unterstellen wollen.

Unmittelbar nach dem verräterisch geplanten Putschversuch und den unbegründeten Anschuldigungen in Bezug auf meine Person, habe ich mich für die Einberufung einer internationalen Kommission ausgesprochen, die die Ereignisse untersuchen und die Urheber dieser Initiative ausmachen sollte. Ich habe auch versprochen, dass ich dem Ergebnis einer solchen Untersuchung zustimmen und das Urteil akzeptieren werde. Dass, trotz meines Vorschlags, in dieser Hinsicht keine Initiative ergriffen wurde, eine Untersuchung nicht ermöglicht wurde, und das weiterhin Hizmet-Engagierte mit Vehemenz unbegründet und ohne Beweise beschuldigt werden, zeigt, dass an der Ermittlung der tatsächlichen Täter kein Interesse besteht. Die Tatsache, dass unter Folter eingeholte Aussagen als ausreichend angesehen werden und gesagt wird, dass “keine Untersuchungen erforderlich sind”, verschärft ausschließlich diesen Verdacht.

Wenn nun Regierungssprecher behaupten, dass sie von dem Putschversuch erst erfahren haben, als die Panzer auf den Straßen rollten, aber sie gleichzeitig innerhalb kürzester Zeit die Schuld der Hizmet-Bewegung zuweisen konnten, dann ist das ein offensichtlicher Hinweis ihrer wahren Absicht.
Seit Jahrzehnten tritt diese Bewegung für Frieden und Sicherheit ein. Schon früher versuchte man sie zu diskreditieren. Es ist offensichtlich, dass diese Bewegung nun anhand des verräterischen Putschversuchs mit Gewalt und Terror in Verbindung gebracht werden soll.

Jedoch haben die Hizmet-Anhänger trotz der Menschenrechtsverletzungen, Schikanen und Folter gegen sie nicht zur Gewalt gegriffen. Sie haben sich weiterhin auf juristischem Wege verteidigt und somit die Verleumdungen ins Leere laufen lassen.

Ich glaube, dass die Gerüchte über einen zweiten Putschversuch in den letzten Tagen absichtlich verbreitet werden. Ich bin besorgt darüber, dass der türkischen Bevölkerung, insbesondere den Anhängern der Hizmet-Bewegung, eine neue Falle gestellt werden soll. In diesem Zusammenhang entnehmen wir der Presse, dass Gefängnisinsassen damit gedroht wird, sie noch weiter zu isolieren und ja, sogar hinzurichten. Diese Drohungen sind furchterregend.

Einmal mehr verkünde ich der ganzen Welt, dass Anhänger der Hizmet-Bewegung sich von der Treue zur Demokratie und zur Rechtsstaatlichkeit nicht trennen werden, auch wenn sie schwerster Verfolgung, Unterdrückung, Diskriminierung und Folter ausgesetzt werden, sogar existenziell bedroht werden. Diese Menschen, die keiner Fliege etwas zuleide tun, wünschen sich lediglich, dass Frieden auf der ganzen Welt herrscht. Um diesen Gedanken zu realisieren, haben sie der Unwissenheit, der Armut und der gesellschaftlichen Spaltung, den Kampf erklärt. Trotz aller Hindernisse werden positives Denken und Handeln ihre Maxime sein.

Hiermit teile ich dies respektvoll der Öffentlichkeit mit!

M. Fethullah Gülen

Fethullah Gülen2
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Ercan Karakoyun on Conflict Zone

28.09.2016 | DW-Conflict Zone | Putschversuch | Ercan Karakoyun

Der Vorsitzende der Stiftung Dialog und Bildung, Ercan Karakoyun, stellte sich den hitzigen Fragen Tim Sebastians auf „Conflict Zone“. In dem wohl härtesten Interviewformat der Deutschen Welle beantwortet Karakoyun die äußerst kritischen Fragen zu den Aktivitäten Hizmets (Gülen-Bewegung) in der Türkei.

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Fethullah Gülen im Exklusivinterview – heute journal | ZDF

23.09.2016 | heute journal | Putschversuch | Fethullah Gülen

Im Exklusivinterview mit dem „heute journal“ beantwortet Fethullah Gülen dringende Fragen nach dem Putschversuch und den darauf folgenden Verhaftungen und Entlassungen  in der Türkei. In diesem 30-minütigen Interview des ZDFs ließ Kamran Safiarian keine kritische Frage über Herr Gülen und Hizmet aus.

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WAZ – „Hexenjagd wird 1:1 übertragen“

08.09.2016 | Westdeutsche Allgemeine Zeitung| Hexenjagd | Ercan Karakoyun

Der Vorsitzende der Stiftung Dialog und Bildung, Ercan Karakoyun, gab ein Interview an Harald Ries von der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung. Hizmet sieht sich nach dem Putschversuch des Militärs am 15.07.2016 in der Türkei mit einer gnadenlosen Hexenjagd des türkischen Staaten konfrontiert. Karakoyun schildert, dass dabei die Hetze aus der Türkei nach Deutschland übertragen wird.

Deutschlandfunk:

,,In der Türkei verfolgt Präsident Recep Tayyip Erdogan seit dem Putsch die Anhänger seines früheren Verbündeten Fethullah Gülen. In Deutschland spricht der gebürtige Westhofener Ercan Karakoyun als Vorsitzender der Stiftung Bildung und Dialog für die Bewegung. Ein Interview mit dem 36-Jährigen über die derzeit schwierige Lage.“