31.08.2016 | Europäisches Journalismus-Observatorium| Narrativ | Christoph Bultmann

Der Erfurter Professor Christoph Bultmann wirft einen Blick auf das Narrativ in den deutschen Leitmedien. Welche Positionen nehmen die westlichen Journalisten nach dem Putschversuch in der Türkei ein? Laut Bultmann gebe es ein erstaunliche Übernahme des erdoganschen Narrativs in den hiesigen Medien.

Europäisches Journalismus-Observatorium:

,,Wer in den Tagen nach dem 16. Juli in Blättern wie der Süddeutschen Zeitung, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Die Welt, Neue Zürcher Zeitung oder Financial Times nach Artikeln suchte, welche die Zuschreibung des Putschversuchs an Anhänger von Gülen als türkische Regierungspropaganda zurückgewiesen hätten, suchte vergeblich. Am 5. August 2016 konnte sich die Süddeutsche Zeitung immerhin dazu durchringen, ein Interview mit dem im Ruhestand lebenden türkischen Verfassungsrichter Yekta Güngör Özden zu publizieren, in dem der Jurist auf die Eingangsfrage „Herr Özden, wer steckt hinter dem gescheiterten Putsch vom 15. Juli?“ antwortete: „Unsere gleichgeschalteten Medien zeigen auf Fethullah Gülen, aber das heißt nicht, dass Gülen es war. Wir sagen in der Türkei: Das Auge glaubt dem, was es sieht, das Ohr dem, was es hört. Bis ich konkrete Beweise sehe, kann ich nur spekulieren, und spekulieren will ich nicht.““