Gesellschaft trifft Wissenschaft (GtW) | 01.06.2015

Waren lange Zeit Machtphantasien und Verschwörungstheorien ein Kennzeichen des Antisemitismus und eines angeblich weltweit agierenden Judentums, so ranken sich solche irrationalen Stereotypenmuster heute auch um den Islam, der vermeintlich anstrebe, die Welt zu beherrschen. Hier sind es die Juden, denen unterstellt wird, mit Finanzmanipulationen, mit der Macht über Börsen, Medien und viele andere gesellschaftlich relevante Bereiche die Welt bestimmen zu wollen. Dort sind es die demografischen Konstrukte, die behaupten, Muslime würden die Welt in nicht allzu ferner Zukunft übervölkern und damit „islamisieren“ oder mit „Täuschungstaktiken“ agieren, die sich aus dem islamischen Taqiyya-Gebot ergäben. Die Islamfeindlichkeit entwickelte sich aus der Moderne heraus und begreift den Islam als modernisierungsfeindlich, als rückwärtsgewandt. Strukturelle Ähnlichkeiten zu Elementen einer antisemitischen Denkart im 19. Jahrhundert sind etwa in Bezug auf die damals zugewanderten osteuropäischen Juden, ihre „fremde“ Kleidung und orthodoxe Religionsauffassung auszumachen. Besonders die Debatte um die Beschneidung im Jahr 2012 zeigte, welche Parallelen manche Argumente in der Ablehnung beider Minderheiten aufweisen.

Dr. Juliane Wetzel, vom Zentrum für Antisemitismusforschung an der TU Berlin, wird in Gesprächsreihe “Gesellschaft trifft Wissenschaft” (GtW) über das Thema “Antisemitismus und Islamfeindlichkeit – Ähnlichkeiten und Unterschiede” referieren – mit anschließender Diskussion unter FachexpertInnen.

Mohammed-Karikaturen hört nicht auf, und von Michel Houellebecq bis Thilo Sarrazin, von Alice Schwarzer bis Marine Le Pen kommt es dabei zu ungewöhnlichen Allianzen. Aber wovor muss man Angst haben? Dieses Buch gibt eine Antwort.“

Dr. Juliane Wetzel ist Mitarbeiterin des Berliner Zentrums für Antisemitismusforschung der TU Berlin. Die Historikerin hat mehrere Bücher und zahlreiche Aufsätze zur Zeitgeschichte, zur deutsch-jüdischen Geschichte und zu Displaced Persons vorgelegt.

Wetzel promovierte 1987 in den Fächern Geschichte und Kunstgeschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München und war anschließend bis 1991 Mitarbeiterin im Institut für Zeitgeschichte in München. Von 1991 bis 1995 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin, seit 1996 wissenschaftliche Angestellte des Zentrums für Antisemitismusforschung der TU Berlin. Sie ist im Expertenkreis des Deutschen Bundestags gegen Antisemitismus, Vorstandsmitglied Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien, geschäftsführende Redakteurin des Jahrbuchs für Antisemitismusforschung und Mitglied der “Task Force for International Cooperation on Holocaust Education, Remembrance and Research”.

Arbeitsschwerpunkte: Juden unter nationalsozialistischer Verfolgung (vor allem Deutschland, Frankreich, Italien), jüdische Nachkriegsgeschichte (jüdische Displaced Persons), Rechtsextremismus, insbesondere Rechtsextremismus und Antisemitismus im Internet.

Herausgeberschaft u.a.:

Wolfgang Benz/Juliane Wetzel (Hrsg.), Antisemitismus und radikaler Islamismus, Essen 2007.

Relevanter Aufsatz:

Parallelen zwischen Antisemitismus und Islamfeindschaft heute, in: Gideon Botsch/Olaf Glöckner/Christoph Kopke/Michael Spieker (Hrsg.), Islamophobie und Antisemitismus – ein umstrittener Vergleich, Berlin/Boston 2012, S. 81-106.

gtw-juliane-wetzel

Datum: 01.06.2015
Ort: dbb forum berlinFriedrichstraße 169/170
Zeit: 18:30 Uhr
Thema: Antisemitismus und Islamfeindlichkeit – Ähnlichkeiten und Unterschiede
Referentin: Dr. Juliane Wetzel, Zentrum für Antisemitismusforschung (TU Berlin)

Bei Interesse können Sie uns unter 030/206 21 400 oder info[at]sdub.de kontaktieren. Teilnahme nur nach vorheriger Anmeldung bis zum 29.05.2015.

Medienpartner: DTJ-Online

(Bildquelle: bistum-essen.de)

Antisemitismus und Islamfeindlichkeit – Ähnlichkeiten und Unterschiede

(Bildquelle: detektor.fm)