Pressemitteilung: Fethullah Gülen zu den extremistischen Morden in Frankreich (Nizza)

Aktuelles / Pressemitteilungen / Presseschau / Stellungnahmen30. Oktober 2020

„Die größte Beleidigung des Propheten
ist die Ermordung von Unschuldigen“

Fethullah Gülen, Vordenker der muslimischen Hizmet-Bewegung, äußert sich zu den extremistischen Morden in Frankreich

Erst vor Kurzem erfuhr ich von dem brutalen Mord an Samuel Paty in einem Stadtteil von Paris und war zutiefst schockiert. Nun erschreckte mich erneut die Nachricht, dass in einer anderen französischen Stadt drei Menschen während eines Gottesdienstes in einer Kirche durch eine Messerattacke brutal ermordet wurden. Meine Trauer wurde umso schmerzlicher, als ich erfuhr, dass beide Täter sich auf den Islam berufen und religiöse Parolen gebrüllt hatten.

Muslime glauben an und respektieren alle Propheten, die seit dem ehrwürdigen Adam gesandt wurden (Friede und Segen seien mit ihnen allen). Insofern ist es verständlich, dass sie denselben Respekt für den ehrwürdigen Muhammed (Friede und Segen seien mit ihm) auch von anderen erwarten und dass sie über respektlose Äußerungen und Darstellungen verärgert sind. Ihren Unmut können sie jedoch auf vielerlei Weise im Sinne von Menschlichkeit, Diplomatie und Recht zum Ausdruck zu bringen.

Unabhängig von seinem Glauben ist jeder Mensch ein ehrwürdiges Wesen; menschliches Leben ist heilig. Das Leben eines Menschen derart geringzuschätzen, ist weder mit Menschlichkeit noch mit dem Islam in Einklang zu bringen!

Das Leben unseres ehrwürdigen Propheten selbst ist geprägt von Sanftmut, Vergebung und Barmherzigkeit. Er begegnete Anfeindungen stets mit Großmut und Toleranz und ließ keinen Platz für Feindseligkeiten in seinem Leben. Deswegen sind Gewalttaten und Brutalitäten, wie wir sie in den letzten Wochen in Frankreich erlebt haben, unmöglich und in keiner Weise mit dem Islam zu vereinbaren.

Solche Gräueltaten, die im Namen des Propheten begangen werden, sind deutlicher Ausdruck davon, dass die Täter keinerlei Verständnis der Botschaft des Propheten haben, die mit ihrer Barmherzigkeit und Güte die gesamte Menschheit umfasst. Im Gegenteil: Solch eine Tat ist eine ungeheuerliche Respektlosigkeit gegenüber dem spirituellen Erbe des Propheten.

Anlässlich dieser schmerzlichen Taten verurteile ich erneut und ohne Einschränkung jegliche Art von Terror und Gewalt.

Die Anschläge erinnern uns nochmals daran, wie wichtig es ist, allen Menschen mit Liebe und Respekt zu begegnen, uns trotz aller Unterschiede wechselseitig zu umarmen und uns um gemeinsame Werte zu versammeln. Allen Angehörigen der Verstorbenen spreche ich mein aufrichtiges Beileid aus und teile mit allen, die sich zur Familie der Menschheit zählen, aber allen voran mit der Bevölkerung Frankreichs meine Trauer.